Integrative Therapie - IT

Die Integrative Therapie wird - beginnend in den 1970er Jahren -
von Hilarion Petzold begründet, wobei er klar deklariert, Anteile
aus folgenden Therapierichtungen
einzubeziehen: Psychoanalyse (nach Ferenczi),
Gestalttherapie (nach Perls), Psychodrama (nach Moreno), Therapeutisches
Theater (nach Iljine), bewegungstherapeutische Behandlungsansätze,
erlebnisaktivierende Arbeit mit kreativen Medien, Elemente kognitiver Methoden.

Zentrales Element in der IT ist eine sozialpsychologisch begründete
Identitätstheorie, der zufolge sich die Identität auf fünf Säulen stützt.
Ich möchte diese hier nur kurz nennen:

  1. Leiblichkeit,
  2. Soziales Netzwerk,
  3. Arbeit-Leistung-Freizeit,
  4. Materielle Sicherheit und milieu-ökologische Bezüge,
  5. Wertorientierungen-weltanschauliche-religiöse Überzeugungen.

Schon aus dieser Aufzählung wird ersichtlich, dass die IT ein Verfahren ist,
welches den Menschen auf eine ausgesprochen ganzheitliche Weise sieht und dies
auch in seine konkreten Behandlungsansätze einbezieht.

Je nach Problemlage der einzelnen KlientIn oder aber auch im
therapeutischen Prozess zu verschiedenen Zeitpunkten werden unterschiedliche
Schwerpunkte gesetzt, welche in der IT "Die vier Wege der Heilung" genannt werden:

  1. Bewusstseinsarbeit (Ziel ist die Veränderung kognitiver Strukturen,
    z.B. eingefahrener Überzeugungen, mit dem Ziel der Herstellung oder Wiederherstellung von Sinn.),
  2. Emotionale Differenzierungsarbeit (v.a. bei Menschen mit
    Persönlichkeitsbeeinträchtigungen, welche in sehr frühen Lebensjahren
    entstanden sind, wirken korrigierende emotionale Erfahrungen seitens der TherapeutIn
    heilsam.),
  3. Ressourcenorientierte Erlebnisaktivierung und alternative
    Handlungsmöglichkeiten (Durch Stimulierung z.B. mittels kreativer Medien
    werden der aktive Aufbau und die Stärkung der Ressourcen gefördert.) und
  4. Alltagspraktische Hilfen und Förderung der Bildung von psychosozialen
    Netzwerken (Nur ein kleines Beispiel zur Veranschaulichung: "Wie schaff
    ich es, neue Leute kennenzulernen?")


Wichtig zu betonen ist mir, dass das Verwenden kreativer
Medien
sowohl theoretisch fundiert als auch aus meiner eigenen
Erfahrung äußerst fruchtbar und zielführend ist. Ich arbeite gerne
mit unterschiedlichsten Farben (Ölkreiden, Wasserfarben,
Fingerfarben, ...), mit Ton sowie auch mit Symbolen aller Art
(Steine, Muscheln, Tücher, ...).


Auch das von mir hoch geschätzte Einbeziehen von Tieren hat in der IT seinen fixen Stellenwert.

"Eine tragfähige Beziehung und empathisches Verständnis für erlebtes
Leid, konkrete Hilfe in Problemlagen, Einsicht in die gesellschaftlichen
Bedingungsgefüge der Biographie, des aktualen Lebens und der Zukunftsentwürfe,
Bewußtheit für den eigenen Leib, sowie Räume für emotionalen Ausdruck und
soziales Miteinander, das ist es, was unsere Patienten brauchen, um gesund
zu werden, was Menschen brauchen, um gesund zu bleiben, und was Psychotherapie
bereitstellen muss, um wirksam zu sein. Dabei müssen vielfältige, kreative
Methoden und Medien eingesetzt, sowie differentioelle und integrative 'Wege
der Heilung und Förderung' beschritten werden. Dies ist die Richtung, die wir
in der Praxis der Integrativen Therapie eingeschlagen haben."

Hilarion Petzold

"Dieser Ansatz ist Ausdruck eines neuen Denkens in der Psychotherapie: einer
integrativen, schulenübergreifenden Theorie und Praxis. Hilarion Petzold gelingt
ein eigenständiger Weg, der Tiefenpsychologie, Verhaltens- und Sozialwissenschaften
ausgewogen einbezieht."

Hans Strotzka

(Quellen:
Petzold, H. (2003): Integrative Therapie. Paderborn: Junfermann.
Leitner, A. (2010): Handbuch der integrativen Therapie. Wien: Springer-Verlag.)